Harnwegsinfektionen

Unter dem Sammelbegriff Harnwegsinfekte wird eine ganze Reihe von entzündlichen Erkrankungen zusammengefasst, die sowohl die Blase, das Nierenbecken, die Harnröhre als auch die Prostata betreffen können. Dass Frauen weit häufiger erkranken als Männer, liegt in der weiblichen Anatomie begründet: Die Harnröhre der Frau beginnt in unmittelbarer Nähe des Darmausgangs und ist viel kürzer als die des Mannes. Deshalb können Bakterien hier leichter eindringen, schneller aufsteigen – und die oft schmerzhaften Entzündungen auslösen.

Der häufig vorkommende unkomplizierte Harnwegsinfekt, der in der Regel mit Brennen beim Wasserlassen und übermäßigem Harndrang einhergeht, ist normalerweise ungefährlich. Solange er „nur“ bis zu dreimal im Jahr auftritt, sind keine Folgeschäden für die Harnwege oder Nieren zu erwarten. Dagegen sollte bei häufigeren Erkrankungen oder wenn Fieber auftritt, unbedingt ein Arzt die genauen Ursachen abklären.

Diese Broschüre informiert über die Ursachen von Harnwegsinfektionen, sie gibt Tipps zur Vorbeugung und zur Selbsthilfe. Bei weiteren Fragen hilft Ihnen Ihr A-plus Apotheken-Team sehr gerne weiter.

Ursachen von Harnwegsinfektionen

Unter bestimmten Bedingungen gelangen Erreger leicht in die Harnröhre und können dort eine Infektion hervorrufen. Die folgenden Ursachen spielen bei Frauen und Männern gleichermaßen eine Rolle:

  • eine bereits bestehende Nierenerkrankung.
  • Fehlbildungen der Harnwege, Tumoren oder Fremdkörper (Nieren- und Blasensteine), die den Abfluss des Harns behindern.
  • eine Abwehrschwäche des Organismus nach überstandener Krankheit oder nach einer Therapie mit Medikamenten, die die Abwehrkräfte beeinträchtigen.
  • eine zu geringe Urinmenge, zum Beispiel durch nicht ausreichendes Trinken. Dadurch werden die Nieren nicht in ausreichendem Maße durchgespült.
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Gicht.
  • das unsachgemäße Anlegen eines Blasenkatheters.

Speziell Frauen sind besonders anfällig

  • im Verlauf einer Schwangerschaft.
  • in oder nach den Wechseljahren, wenn sich durch die Hormonumstellung die Beschaffenheit der Scheidenschleimhaut verändert.

Anzeichen für eine Infektion

Die Symptome einer Harnwegsinfektion unterscheiden sich, je nachdem wie weit die Bakterien bereits in die Harnwege aufgestiegen sind und welche Abschnitte entzündlich reagieren. Typische Kennzeichen einer Harnröhrenentzündung sind Jucken und Brennen beim Wasserlassen, die sich zu einem stechenden Schmerz steigern können. Der Patient verspürt einen häufigen Drang zum Wasserlassen, obwohl er nur geringe Mengen Urin bildet. Diese Symptome begleiten auch eine Entzündung der Harnblase. Hinzu kommen hier Schmerzen im Unterbauch und gelegentlich blutiger Urin. Während diese beiden Infektionen meist ohne Komplikationen abheilen, ist die akute oder chronische Nierenbeckenentzündung eine schwerwiegende Erkrankung. Neben den bereits aufgeführten Symptomen kommt es zu einem heftigen Klopfschmerz in der Niere, Rückenschmerzen sowie hohem Fieber und Schüttelfrost.

Wie wird eine Infektion festgestellt?

Beim Verdacht auf eine Harnwegsinfektion sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nach einer ersten Befragung kann dieser meist schon entscheiden, ob die Beschwerden eher von einem unkomplizierten oder einem komplizierten Infekt herrühren. Um aber eine sichere Diagnose stellen zu können, muss eine Urinprobe abgegeben werden. Diese wird direkt auf Bakterien untersucht, aber auch auf indirekte Anzeichen, wie weiße Blutkörperchen und Nitrit. Zur Gewinnung einer aussagekräftigen Probe hier einige Tipps:

  • Sie sollte möglichst direkt nach dem Aufstehen am Morgen gewonnen werden. Nur dann ist sichergestellt, dass der Urin lange genug in der Blase verweilte und ausreichend konzentriert ist.
  • Das zuverlässigste Ergebnis liefert der so genannte Mittelstrahlurin. Dazu wird die erste Urinportion in die Toilette gelassen und erst die zweite in einem sauberen Probebehältnis aufgefangen.
  • Um eine Verunreinigung der Probe und somit ein möglicherweise falsch positives Ergebnis zu vermeiden, sollten Frauen dabei die äußeren Schamlippen auseinanderhalten und Männer ihre Vorhaut zurückschieben. Noch ratsamer ist es, Hände und Genitalien vorher sorgfältig zu waschen.
  • Essen Sie am Abend vor der Urinentnahme reichlich Gemüse. Dieses enthält viel Nitrat und wird von den Bakterien in der Blase zu Nitrit umgewandelt. Nur so liefert der Nitritnachweis ein zuverlässiges Ergebnis.
  • Der Nachweis von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin zeigt eine gesteigerte Abwehrreaktion des Körpers an. Dieser Test kann verfälscht werden durch Vitamin C aus Tabletten oder Fruchtsäften. Er ist nur zuverlässig, wenn in den letzten zehn Stunden vor der Probennahme kein Vitamin C aufgenommen wurde.

So behandelt der Arzt eine Harnwegsinfektion

Das Mittel der Wahl sind Antibiotika, die zu einer schnellen Besserung der Schmerzen und des häufigen Harndrangs führen. Wichtig ist, die Antibiotika lange genug einzunehmen und keinesfalls vorzeitig abzusetzen. Denn wenn die Erreger nicht vollständig abgetötet werden, kann die Infektion wieder aufflammen, das wiederum würde die medikamentöse Therapie unnötig verlängern. Falls durch die Einnahme der Antibiotika allerdings unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, sollte der behandelnde Arzt umgehend darüber informiert werden.

Was jeder selbst tun kann

Das Wichtigste im Falle eines Harnwegsinfekts ist es, diesen möglichst im Frühstadium erfolgreich zu bekämpfen. Die folgenden Sofortmaßnahmen helfen, einen komplizierten Verlauf, etwa mit Beteiligung der Nieren, zu verhindern:

  • Halten Sie Ihre Nieren warm. Dazu eignet sich nicht nur warme Kleidung, auch ansteigende Sitz- oder Fußbäder sind bewährte Hausmittel.
  • Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag, sofern keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Niere vorliegt. Zur Durchspülungstherapie eignen sich am besten Wasser, Kräuter- und Früchtetee. Koffeinhaltige Getränke eignen sich nicht, weil das Koffein die Nieren stark stimuliert und dadurch harntreibend wirkt. Das Gleiche gilt für alkoholische Getränke.
  • Zur Unterstützung einer Therapie mit Antibiotika ist das Trinken von Blasen- und Nierentees empfehlenswert, die wertvolle Bestandteile wie Bärentrauben- oder Birkenblätter, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Ackerschachtelhalmkraut enthalten. Solche Tees haben nicht nur einen sehr guten durchspülenden Effekt, sondern auch desinfizierende Eigenschaften. Es sollten jedoch maximal zwei bis vier Tassen eines therapeutisch wirksamen Tees getrunken werden, um eventuelle Nebenwirkungen zu vermeiden.
  • Meiden Sie eiskalte Getränke.

Praktische Tipps zur Vorbeugung

Auch wenn die meisten Harnwegsinfektionen glimpflich verlaufen, vermeiden Sie jedes Risiko, indem Sie folgende Ratschläge beherzigen:

  • Nehmen Sie verordnete Antibiotika mit viel Wasser oder Tee ein (keine Milch oder Fruchtsäfte).
  • Unterkühlen Sie Ihre Nieren nicht durch das Tragen nasser Kleidung oder durch kalten Fahrtwind, etwa auf dem Motorrad (tragen Sie stets einen Nierenschutz).
  • Achten Sie auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr von circa zwei Litern am Tag.
  • Halten Sie den Harndrang nicht zurück. Vermeiden Sie eine überfüllte Blase.
  • Entleeren Sie die Blase möglichst vollständig. Restharn ist ein guter Nährboden für Bakterien.
  • Reinigen Sie Ihren Intimbereich sorgfältig nach der Blasenentleerung von vorn nach hinten.
  • Vermeiden Sie Stress, denn der macht allgemein anfälliger für Infektionen.
  • Sprechen Sie bei wiederholten Harnwegsinfektionen mit Ihrem Arzt über die Anwendung von immunstimulierenden Arzneimitteln.